Von Peter Felixberger
Der Journalist Peter Felixberger, Referent im Workshop zu journalistischen Netzwerken auf dem jonet-Tag, verdient Geld mit etwas, das es nach dem Zusammenbruch der neuen Medienökonomie eigentlich nicht geben sollte: mit einem anspruchsvollen Online-Magazin, das ein Netzwerk aus Autoren und Redakteuren gestaltet. Hier erklärt er, wie das geht.
Das Online-Magazin changeX (www.changex.de) wurde von einem Netz von Freelancern gegründet und ging am 10. Januar 2001 online. Nach Anfangsverlusten im ersten Jahr arbeiten wir seit zwei Jahren profitabel. Wir beschäftigen uns intensiv mit neuen Leitbildern und Veränderungsideen in Wirtschaft und Gesellschaft. Feste Redakteure und freie Autoren schreiben Essays und Reportagen, rezensieren Bücher und führen Interviews. Unser Anspruch ist nicht, über das tagesaktuelle Geschehen zu berichten, sondern die Entwicklungen hinter dem Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft zu durchleuchten und zu erklären. Der Qualitätsanspruch ist hoch - und damit kann man auch im Internet Geld verdienen.
changeX steht auf drei Standbeinen:
- Partnerforum als Anzeigenraum für Unternehmen und Organisationen,
- Zweitverwertung der Artikel und
- Idee, Konzeption und Realisierung von Sach- und Wirtschaftsbüchern.
Das Partnerforum auf der Website ist eine Rubrik, in der keine klassischen Werbeanzeigen stehen, sondern Texte von externen Firmen. Ein Unternehmen wird dort für ein Jahr Mitglied und muss sich an bestimmte Regeln halten: Mindestens eine "Text-Anzeige" pro Monat, höchstens jedoch vier. Da wir durch einen Newsletter (den wir freitags an Interessierte per E-Mail verschicken) und die Klick-Statistiken sehr detaillierte Angaben darüber haben, wer changeX liest, können die Kunden ihre Texte mit geringem Streuverlust schalten.
Aus der Arbeit für changeX ergeben sich Kooperationen mit Verlagen, zum Beispiel mit dem Hanser und dem Campus-Verlag. Das Online-Magazin dient den einzelnen Autoren nicht nur als Plattform für ihre Arbeit, sondern auch als Netzwerk für weitere Kontakte. Wir schreiben jährlich diverse Bücher als Namensautoren oder als Ghostwriter. Unter unseren eigenen Namen sind in letzter Zeit zum Beispiel im Campus-Verlag das "Café Andromeda" erschienen, ein Jugendbuch über Quantenphysik von Sylvia Englert, und bei Hanser "Networking im Beruf" von Peter Felixberger. changeX-Texte verkaufen wir auch an Tageszeitungen und Unternehmensmedien. Die Zweitverwertung ist allerdings weniger ertragreich als die beiden ersten Sparten.
Um unser Modell bekannt zu machen, sind wir auf Messen, Veranstaltungen, Workshops und Kongressen präsent. Networking ist alles - zu diesem Zweck halten wir Vorträge und nehmen an Podiumsdiskussionen teil. changeX gibt keinen Euro für PR und Werbung aus, sondern setzt ganz auf Mundpropaganda. Dazu trägt der Newsletter wesentlich bei, den wir jeden Freitag verschicken. Er enthält eine Liste der neuesten Artikel. Etwa ein Fünftel unserer Leser nutzt diesen Service und verschickt die Info an andere weiter. Durch den Newsletter wissen wir auch, wer uns liest: Eine Stichprobe der Adressen wird nachrecherchiert und wenn man diese Ergebnisse hochrechnet, kommt man auf folgende Leserverteilung:
Etwa 10.500 Manager, vor allem aus den Abteilungen Personal, Marketing, Kommunikation, Vorstand und Geschäftsführer, 3000 Studenten und Dozenten an Universitäten, 1500 Freiberufler, 750 Journalisten und Redakteure in Print- und Online-Medien, Hörfunk und TV, Buchverlagen. Die restlichen 5000 Leser kommen aus NGOs, Behörden, Start-ups, Ministerien, Parteien, Stiftungen, Wissenschaftszentren und Museen.
Peter Felixberger (pf@changex.de) ist Lektor, Literaturkritiker und Publizist. Zuletzt erschien von ihm das Buch "Networking im Beruf" (Hanser Verlag, 2001).
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