Das ist wenig geschickt. Ausgerechnet Bascha Mika kämpft seit Jahren mit ihrer „taz“ gegen die in Deutschland übliche Praxis der Interviewautorisierung. Es ist nicht der einzige Widerspruch. Seit 1996 outet die Chefredakteurin der „taz“ ihre Kollegin Alice Schwarzer, die Chefin der „Emma“, hartnäckig als homosexuell.
In dem jetzt per einstweiliger Verfügung gestoppten Interview wirft sie Schwarzer „Heuchelei“ vor. Mika wird mit den Worten zitiert: „Dieser Vorwurf der Heuchelei bezieht sich nicht darauf, dass sie sich nicht grundsätzlich geoutet hat, sondern dass sie jemand ist, der Homosexualität unter Frauen propagiert: dass man dazu stehen soll und dass das eine Lebensform ist, die anderen Lebensformen vorzuziehen ist. Das dann selbst aber nicht zu tun, das ist der Punkt der Heuchelei.“
Die Interviewer fragen: „Kommen wir nun zur Wahrheit über Bascha Mika: Dürfen wir etwas über Ihre Homosexualität erfahren?“ Da wird die „taz“-Chefredakteurin schweigsam. „Das werde ich nicht beantworten“, wird sie knapp zitiert. Meine Antwort lautete: Ich bin komplett heterosexuell, versichert Bascha Mika jetzt.
Umso gesprächiger ist Bascha Mika, wenn es um Angriffe auf Alice Schwarzer geht. Sie habe dem Feminismus geschadet, „weil sie die Frauenbewegung sehr schnell anfing zu dominieren und gleichzeitig zu verengen“. Andere Ansätze als den „Scheuklappen-Feminismus – männerfeindlich und blablabla“ habe Schwarzer „weggebissen“.
Deutschlands Spitzenfeministinnen sind sich herzlich feind. Dabei hatte Schwarzer noch 1994 den „Emma-Journalistinnenpreis“ an Bascha Mika verliehen. Titel der damals preisgekrönten Reportage: „Weibmänner und Mannweiber“.