Sonntag, 23. November 2008, 14:12:01 Uhr, NZZ Online
ras. Gewisse Fragen können einen schon etwas irritieren. Dies umso mehr, wenn der Ratsuchende ein Kollege ist, der berufshalber ein Experte für Informationsverarbeitung sein sollte. Verwunderung löst etwa diese Frage aus: «Du, was ist eigentlich DAB?» Seit etwa zwanzig Jahren wird in dieser Zeitung kontinuierlich über das digitale Radio DAB berichtet, das als leistungsfähigere Verbreitungstechnik das UKW-Radio dereinst ablösen soll. In Form von Meldungen, Analysen und Einführungstexten begleiteten wir den Einführungsprozess, der sich unbestritten als harzig erweist. Inzwischen gibt es bereits Angebote. Sämtliche SRG-Radioprogramme sind auf den digitalen Wellen praktisch schweizweit empfangbar. Zudem verfügen private Veranstalter seit einem Jahr über Konzessionen und bereiten den Start ins digitale Radiozeitalter vor.
Das grosse Publikum konnte noch nicht für den Systemwechsel gewonnen werden. Im Ausland verläuft der Prozess kaum besser. Die Innovationen im Internet sowie bei den Fernseh-, Mobilfunk- und Computergeräten beherrschen die Aufmerksamkeit der Konsumenten. Die Bereitschaft, fürs Radio Geld auszugeben, bleibt gering. Und ebenso das Interesse, sich über neue Radiotechniken zu informieren. Die UKW-Programme scheinen zu genügen. Die Unzufriedenen weichen auf Online-Angebote oder das Kabelnetz aus. Doch Internet- und Kabelradio können keineswegs die Mobilität, Reichweite und Versorgungssicherheit gewährleisten, wie dies die UKW-Technik tut. Der digitale Rundfunk DAB vermag diese Leistung nun noch zu steigern. Die Hörer erhalten ein grösseres Angebot.
Weitere Faktoren erschwerten bisher den Wechsel zu DAB. Die Lokalradioveranstalter stehen dieser Technik ablehnend gegenüber, und der Fachhandel wie auch die Industrie verhielten sich desinteressiert. Ohne ein attraktives Geräteangebot findet man jedoch keine Kunden. Auf diesem Hintergrund verwundert der Widerstand kaum, auf den Schweizer Radio DRS vor einem Jahr stiess, als es die Verschiebung der volkstümlichen Sendungen ins digitale Radio ankündigte. Die betroffenen Hörer fühlten sich diskriminiert, in ein Ghetto abgeschoben.
Statt die Peitsche holt Radio DRS nun das Zuckerbrot hervor, um das Publikum umzustimmen. Ein Volksfest zur Stilllegung der Sendeanlage Beromünster, Ausstellungen, eine Absprache mit dem Handel zur Bereitstellung günstiger Geräte, eine Informationskampagne und vor allem ein volkstümliches DAB-Vollprogramm sollen den Wechsel zum Digitalradio erleichtern. Dort steht überdies seit fast einem Jahr ein weiterer neuer Sender zur Verfügung: der Nachrichtenkanal DRS 4 News. Dieser leidet zwar noch an einigen Kinderkrankheiten, ist aber in der Summe ein respektables Angebot für Informationshungrige.
Radio DRS hat im Laufe der Jahre seine Programmpalette ständig erweitert, nicht zuletzt mit dem Ziel, die private Konkurrenz in Schach zu halten. Sein Marktanteil beträgt denn auch schamlos hohe 64 Prozent. Das ergibt zumindest einen medienpolitischen Mehrwert: Mit einer solchen Marktkraft sollte es möglich sein, dass der öffentliche Sender den erwünschten Systemwechsel mit ein bisschen Zwang herbeiführt. Davon profitieren die Privatradios ebenso. Man könnte weitere UKW-Frequenzen für sie frei machen.
zz. Nach zweijähriger Bauzeit startete am 11. Juni 1931 der Sender Beromünster mit 60 kW Leistung und verbreitete über Mittelwelle das gleichnamige Einheitsprogramm aus den Radiostudios Zürich, Bern und Basel. 1937 verstärkte man die Sendeleistung und benutzte einen neuen, 215 Meter hohen Antennenturm auf dem Blosenberg. Über die Jahre hinweg wurde die Sendeleistung sukzessive bis auf 600 kW ausgebaut (1994), schreibt Schweizer Radio DRS in einer Dokumentation. Der Sendeturm gilt bis heute als eines der höchsten Bauwerke der Schweiz. Der Name Beromünster hat sich gehalten, obwohl der öffentliche Sender seit über 40 Jahren anders heisst. 2002 verfügte das Amt für Umweltschutz des Kantons Luzern die Sanierung der Anlagen. Eine solche hätte eine starke Reduktion der Leistung zur Folge gehabt. Angesichts der schwindenden Bedeutung des Mittelwellen-Rundfunks beschloss die SRG, Beromünster stillzulegen. Am 28. Dezember 2008 wird der Sender nach 77 Jahren abgeschaltet werden. Noch ist unklar, was mit der Anlage geschieht. Ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) kam zum Schluss, es handle sich bei der Anlage aufgrund «überragenden sozial- und technikgeschichtlichen Ranges um ein Denkmal von nationaler Bedeutung, das unbedingt zu erhalten ist».
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