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ARD und ZDF

Keine Wirtschaftspolitik!

Von Jan-Phillipp Hein, 08.10.08, 20:57h

In der Finanzkrise offenbart sich das Kompetenz-Defizit der öffentlich-rechtlichen Sender. ARD und ZDF haben in den letzten Jahren systematisch Wirtschaftsredaktionen abgebaut. Journalisten beklagen den Mangel an Sendeplätzen für ökonomische Themen.

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Chaos Finanzkrise: Haben ARD und ZDF noch den wirtschaftspolitischen Durchblick? (Bild: dpa)
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Chaos Finanzkrise: Haben ARD und ZDF noch den wirtschaftspolitischen Durchblick? (Bild: dpa)
Günter Ederer ist hochdekorierter Filmemacher. Sein ARD-Zweiteiler „Das Märchen vom gerechten Staat“ (2007) ist gar zur Chiffre für anspruchsvollen Wirtschaftsjournalismus geworden. Mitten in der Finanzkrise geht Ederer hart ins Gericht mit dem Fernsehen. „Jetzt macht sich bemerkbar, dass bei ARD und ZDF systematisch Wirtschaftsredaktionen abgebaut wurden“, erklärt er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: Da dürfe jetzt jeder mal am Krisen-Thema arbeiten.

Wirtschaftssendungen von ARD und ZDF heißen „Plusminus“ oder „Wiso“. „Da geht es nur noch um Verbraucherthemen“, sagt Ederer, der nach eigener Aussage schon mal angepflaumt wurde, weil seine Themen zu „ordnungspolitisch“ seien. Es gebe gar die Richtlinie „keine Wirtschaftspolitik!“ bei „Plusminus“. Ende September, als die ersten Einschläge der Finanzkrise unübersehbare Schlagzeilen in deutschen Zeitungen machen, hebt auch das ARD-Magazin einen Beitrag in die Sendung - über Kleinanleger, die ihr Geld verloren haben. In dieser Woche ging es um „credit default swaps“, eines der undurchsichtigen Finanzmarktinstrumente, mit denen die Krise heraufbeschworen wurde.

Doch was ist mit den ins Grundsätzliche gehenden Filmen zu ordnungspolitischen Themen? Längst wird über das Ende des Kapitalismus debattiert - und wo sind die TV-Beiträge dazu? Bei „Plusminus“ geht es um „Schlaufengurte ohne Zulassung“, „Überholverbot für LKW“ und „Kinderarbeit“. Auch die Mainzer „Wiso“-Kollegen geben diese Woche wenig mehr als Wasserstandsmeldungen ab.

Während die Print-Medien seit zwei Wochen beinahe täglich auf ausführlichen Sonderseiten Hintergrundberichterstattung leisten, orgeln die öffentlich-rechtlichen Sender, von den Privaten ganz zu schweigen, ihre Prime-Time-Unterhaltung herunter. „Außer in der kurzen Börsensendung vor der »Tagesschau« findet Wirtschaft im Fernsehen nicht statt“, befindet Wolfgang Kaden, Ex-Chefredakteur des „Manager“-Magazin und des „Spiegel“. Das Fernsehen sei bei solch krisenhaften Zuspitzungen wie im Moment allerdings sowieso immer nur am Hinterherrennen. „Auch wenn die Fernsehleute das immer anders sagen: Es ist ein Sekundärmedium und mit Wirtschaftsthemen bisweilen überfordert, da nicht alles mit Bildern zu unterlegen ist.“

Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Medien in NRW, schiebt den Medien insgesamt gar eine Mitschuld an der Finanzkrise zu. Es sei versäumt worden, von den „dramatischen Veränderungen unter der Oberfläche der großen Gewinnerwartung zu berichten“. Wolfgang Friedrich, Leiter der Wirtschaftsredaktion des Bayerischen Rundfunks, gehört zu denen, die momentan die Prügel einstecken müssen. „Wenn möglich, machen wir auch wirtschaftspolitische Themen“, sagt er, allerdings stiegen die Zuschauer bei makroökonomischen Betrachtungen aus. Dass das TV ein Nachklappmedium sei, will er nicht auf sich sitzen lassen: „Wir waren die Ersten, die schon im September vor einem Jahr und in weiteren Stücken auf die Immobilienblase hingewiesen haben.“ Und im März auch auf die Kreditkartenblase, die vermutlich demnächst platze, so Friedrich. Der stellvertretende Leiter der „Wiso“-Redaktion des ZDF, Thomas Kramer, nennt die Vorwürfe „banal“ und „groben Unsinn“. Man habe früh über die ersten Zeichen der Krise berichtet. Auch die akute Krise der Autobauer sei bereits im Januar Thema der Sendung gewesen.



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