Von Thomas Magenheim, 03.10.08, 22:56h
Mit den Hausbanken müsse deshalb nun neu über die Kreditlinien verhandelt werden. Wie ernst die Lage ist, ließ Williams offen und nannte keine Details. Nach jetzigem Stand der Dinge „erwartet“ er, demnächst für die Bundesligarechte, dem für Premiere alles entscheidenden Programmteil, mitbieten zu können.
Börsianer reagierten bestürzt auf die Hiobsbotschaft. Der Aktienkurs des Unternehmens stürzte am Donnerstag ab wie nie. Mit gut vier Euro war das Papier binnen weniger Minuten nur noch knapp die Hälfte wert. Die Hoffnungen von Premiere und wohl auch der Bundesliga ruhen nun auf dem finanzstarken Medienmogul Rupert Murdoch, der jüngst im Haus eingestiegen war und gut ein Viertel der Anteile hält. Eine Geldspritze von Murdoch in Form einer Kapitalerhöhung sei „derzeit“ nicht nötig, sagte Williams.
Der Vertraute des Großaktionärs hatte erst vor gut drei Wochen Michael Börnicke an der Spitze des Unternehmens abgelöst. Er durchleuchtet den Konzern derzeit kritisch und fördert Bestürzendes zu- tage. Nach den neuen Abonnentenzahlen verfällt die Kundenbasis seit Ende 2005 fast ungebrochen. Ausnahme war das jüngste Quartal, das Anfang Oktober beendet war. Er sei zuversichtlich, das zum neuen Trend machen zu können, die Verhandlungen mit den Banken erfolgreich zu beenden und Premiere mit einer neuen Strategie wieder nach vorne zu bringen, sagte Williams. Begründen konnte er seinen Optimismus allerdings nicht und verwies auf den 13. November für neue Details. Operativ erwarte er für dieses Jahr 40 bis 70 Millionen Euro Verlust, räumte der neue Premiere-Chef ein. Voriges Jahr standen auf dieser Basis noch über 83 Millionen Euro Gewinn zu Buche. Unter dem Strich könnten die diesjährigen Verluste weit über 100 Millionen Euro liegen.
Vollmundige VersprechungenVon vollmundigen Versprechungen seines Vorgängers Börnicke muss sich Williams distanzieren. Der hatte erst vor wenigen Monaten von zehn Millionen Abonnenten und 30 Prozent operativer Gewinnmarge bis 2012 gesprochen. „Es ist eine Neuplanung nötig“, meinte sein Nachfolger jetzt. Der für das Zahlenwerk zuständige Finanzvorstand Alexander Teschner wurde mit sofortiger Wirkung gefeuert. Sein Amt übernimmt Williams nun kommissarisch. Die Verminderung der wahren Kundenzahl gehe nicht mit nun ebenfalls nach unten zu korrigierenden Umsätzen einher, betonte er. Voriges Jahr hatte Premiere rund eine Milliarde Euro umgesetzt.
Beendet ist die Bestandsaufnahme beim Konzern noch nicht. „Wir überprüfen gründlich sämtliche Bereiche im Unternehmen und sind zuversichtlich, dass dies in eine neue strategische Ausrichtung mündet“, meinte Williams. Auch vor bisherigen Dogmen wird nicht Halt gemacht. Mehr Exklusivität bei der Bundesliga sei für Premiere künftig nicht entscheidend, erklärte der neue Chef. Das dürfte vor allem ein Ausdruck der aktuellen Finanzlage sein. Bislang war erklärtes Ziel, mehr Geld für die Bundesligarechte zu zahlen, dafür aber auf eine Ausstrahlung von Spielzusammenfassungen in der Sportschau nicht vor 22 Uhr zu drängen. Das Desaster um die Abonnentenzahl macht die Münchner nun kleinlaut. Künstlich aufgebläht wurde der Kundenstamm ausschließlich auf Ebene direkter Premiere-Abos. Ihr Umfang musste sogar um 1,1 Millionen auf 2,4 Millionen werthaltiger Verträge korrigiert werden. Die Zahl indirekter Kunden, die Premiere vor allem durch die Übernahme von Abos des ehemaligen Bundesligasenders Arena zufielen, wurde dagegen leicht auf über 700 000 angehoben.
| JETZT BESTELLEN! 4 Wochen Kölner Stadt-Anzeiger zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%. |
|
Anzeige
| Volkswagen | 300,12 |
+2,12% |
| Linde | 62,63 |
+1,39% |
| Münchener R | 110,79 |
+0,81% |
| Infineon | 1,08 |
-8,47% |
| Commerzbank | 5,69 |
-6,80% |
| Metro | 25,84 |
-6,21% |
| Name, WKN, ISIN |
Anzeige