03. Oktober 2008 Die Bilder hatten Frankreich in einen Schockzustand versetzt: Am 4. September widmete die Zeitschrift Paris-Match“ den Taliban, welche zehn französische Soldaten in Afghanistan in einen Hinterhalt gelockt und ermordet hatten, eine Reportage.
Ein Taliban-Kämpfer präsentierte sich in der Uniform eines getöteten Franzosen, als Beweis für die Authentizität wurden persönliche Gegenstände der Getöteten ins Bild gerückt. Von den zehn gefallenen Soldaten waren einige nach ihrer Gefangennahme mit einem Schnitt in die Gurgel ermordet worden.
Die Uhr des Toten als Andenken
Den Journalisten, die diese makabre Sensation inszenierten, gaben die Heiligen Krieger die Uhr eines Gefallenen mit – als Andenken für dessen Eltern. Jetzt hat Jacques Myard, ein Abgeordneter der Regierungspartei UMP, vom Premierminister eine Untersuchung zu der Publikation gefordert. Seinen Informationen zufolge soll Paris-Match“ für die Geschichte und die Fotos den Taliban 50.000 Dollar bezahlt haben. Woher die entsprechenden Hinweise stammen sollen, ist nicht bekannt.
Paris-Match“ dementierte den Vorwurf und will gegen den Abgeordneten klagen. Der allerdings steht unter dem Schutz der parlamentarischen Immunität. Die Empörung der politischen Klasse über die Illustrierte war und ist gewaltig und ist auch nachvollziehbar. Die jetzt erhobenen Vorwürfe sind es weniger. Doch ganz unverkennbar hatte sich Paris-Match“ von den Taliban für eine Propagandaaktion einspannen lassen. Ob gratis oder gegen Honorar: Diese Reportage bleibt ein trübes Kapitel der französischen Pressegeschichte.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Paris-Match