Chaos in der Kundenkartei

Premiere erwartet tiefrote Zahlen

Teure Panne bei Premiere: Der Bezahlsender wird im laufenden Geschäftsjahr massive Verluste schreiben, weil rund ein Drittel des Kundenstamms Karteileichen sind. Die Premiere-Aktie verlor daraufhin mehr als die Hälfte ihres Wertes.

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Nur drei Wochen nach seinem Amtsantritt räumte Firmenchef Mark Williams ein, dass der Münchener Sender in diesem Jahr voraussichtlich einen operativen Verlust zwischen 40 und 70 Mio. Euro einfahren werde. Zudem teilte Premiere mit, dass es sich bei fast einer Million seiner Abonnenten um Karteileichen handelt, die keine Einnahmen brächten. Der Sender reduzierte daraufhin seine Abonnentenzahl drastisch auf rund 2,4 Millionen. Die Premiere-Aktie verlor am Freitagvormittag rund 52 Prozent auf 4,46 Euro.

Finanzvorstand Alexander Teschner legte sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Williams seine Aufgaben. "Wir überprüfen gründlich sämtliche Bereiche im Unternehmen und sind zuversichtlich, dass dies in eine neue strategische Ausrichtung mündet", sagte Williams. Der Manager ist erst seit Mitte September an der Spitze von Premiere. Er ist ein Vertrauter des australischen News Corp-Eigners Rupert Murdoch, dem rund ein Viertel an Premiere gehört. Williams nahm als Konsequenz aus den zu erwartenden tiefroten Zahlen Gespräche mit Banken über eine Restrukturierung von Kreditvereinbarungen auf.

Fußballrechte nicht gefährdet

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Eine Kapitalerhöhung sei derzeit nicht geplant, sagte Williams. Er sei mit den Verhandlungen mit den Banken zufrieden und sehe kein Hindernis bei dem anstehenden Bieterprozess für die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga - dem Zugpferd des Bezahlsenders. Der Verlust der Übertragungsrechte hatte Premiere vor einigen Jahren in die Bredouille gebracht. Inzwischen hat der Sender die Rechte über eine Sublizenz vom Konkurrenten Arena zurückerhalten, kämpft aber derzeit auch wegen Schwarzseher weiter mit einem Kundenschwund.

Eigentlich wollte Premiere 2009 wieder Gewinne schreiben. Das Ziel seines Vorgängers wollte Williams aber nicht kommentieren. Auch zu Prognosen weiterer Kennzahlen nahm Williams keine Stellung und verwies auf die Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal im November.

Im zweiten Quartal hatte Premiere einen Nettoverlust von 38 Mio. Euro und einen operativen Gewinn (Ebitda) von 11,2 Mio. Euro ausgewiesen. Die direkte Abonnentenzahl hatte Premiere im August mit rund 3,6 Millionen angegeben. Diese Zahl revidierte Premiere jetzt nach unten.

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reuters, 03.10.2008
© 2008 Financial Times Deutschland

 

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