Von Tobias Kaufmann, 01.10.08, 22:56h, aktualisiert 02.10.08, 12:59h
Um den Anlass der E-Mail zu verstehen, die Dünnhäutige als Boykottankündigung verstehen könnten, müssen wir etwas ausholen. Das Provinzteam TSG Hoffenheim ist dank der finanziellen Hilfe des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp zu einem veritablen Bundesligisten aufgestiegen. Das weckt Neid. Milliardär Hopp wurde seit Saisonbeginn mehrfach aus gegnerischen Fanblöcken mit Schmährufen bedacht. Obwohl sich die jeweiligen Vereine davon distanzierten, sah sich selbst der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, genötigt, Hopp mit drastischen Worten beizustehen: Er werde jede Beleidigung gegen den Mäzen vors Sportgericht bringen. Maroldt trat den Hoffenheimern daraufhin per Kommentar ein bisschen auf den Fuß - so wie man das beim Fußball manchmal macht, wenn der Schiedsrichter nicht guckt.
Hoffenheims Erfolg, so Maroldt, sei „eine Provokation für die Fans jener Vereine, die stolz auf ihre ruhmreiche Vergangenheit sein müssen, weil die Gegenwart auf sie eher traurig wirkt“. Dass Maroldt dies als bekennender Fan des 1. FC Köln durchaus selbstironisch meinen könnte, fällt den Hoffenheimern nicht auf. Dann setzt Maroldt zur Grätsche an. Ob wohl ein Zusammenhang bestehe zwischen Zwanzigers Zuwendung und der Tatsache, dass der Sohn des DFB-Präsidenten neuerdings die Frauenfußballabteilung der TSG Hoffenheim koordiniert? Zum Schluss rät Maroldt Hopp und den Seinen unter Verweis auf den in Stadien üblichen Umgangston, sie sollten nicht so empfindlich sein.
Damit landete er einen Volltreffer, wie die Reaktion des Hoffenheimer Pressesprechers beweist. Wegen der Boykottdrohung, die ja die Berichterstattung der Zeitung beeinflussen könnte, veröffentlichte der „Tagesspiegel“ den Brief auf seiner Internetseite nebst einem beißenden Antwortschreiben. Gepflegter Kurzpass geht anders, aber manchmal ist Dazwischenhauen viel schöner - und effektiver. Aber man kann als Bundesliga-Neuling noch nicht alles wissen, und so ein dickes Fell wächst auch nicht über Nacht. Vor allem dann, wenn man ohnehin nicht dünnhäutig ist.
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