Donnerstag, 08. Januar 2009, 20:43:33 Uhr, NZZ Online
S. B. Wer möglichst rasch eine Vielzahl von Online-News-Diensten, elektronischen Medien, Blogs und aktuellen Medienmitteilungen verschiedenster Herkunft überblicken möchte, braucht nur eine einzige Web-Adresse: Google. Hier lassen sich Nachrichten von etablierten Medien thematisch geordnet auf einer Seite überfliegen. Welche Texte thematisch wie geordnet werden, bestimmt dabei eine Software.
Zusätzliche Möglichkeiten gibt es bei Google Reader: Hier kann der Leser selber bestimmen, welche Quellen ausgewertet werden sollen. Einzige Voraussetzung ist, dass diese über das RSS-Protokoll angezapft werden können. Mit Google Reader kann man sich eine eigene Zeitung zusammenstellen, die stets nur über Themen berichtet, die einen interessieren, und dabei nur aus jenen Nachrichtenquellen schöpft, denen man vertraut. Dabei werden die typografischen Eigenheiten, durch die sich die verschiedenen Nachrichtenquellen voneinander unterscheiden, eingeebnet. Medien-Kollektionen, die unter Google Reader definiert wurden, lassen sich auch exportieren und anderen zugänglich machen. Man kann umgekehrt auch mit einem Klick jene Zeitung haben, die Barack Obama oder John McCain für sich zusammengestellt haben.
Für Leser sind das gute Nachrichten, nicht aber für Schreiberlinge. Denn während Google als Werbevermittler Milliarden verdient, gehen die Zeitungsverlage, die den Inhalt liefern, leer aus. Mit dem Anfang der 1990er Jahre geschaffenen Robots Exclusion Protocol könnten Zeitungsverlage verhindern, dass ihre Texte durch Google weiterverbreitet werden. Doch dann wären sie über Google nicht mehr erreichbar, sie wären von der zentralen Informationsdrehscheibe des Internets ausgeschlossen. Das kann sich kein Medienhaus leisten.
Abhilfe soll das Automated Content Access Protocol (Acap) schaffen. Es wurde von einer Gruppe international tätiger Medienunternehmen im Rahmen der World Association of Newspapers, der International Publishers Association und des European Publishers Council entwickelt. Mit Hilfe dieses Protokolls lässt sich detailliert festlegen, wer welche Teile von Medienbeiträgen unter welchen Bedingungen weiterverwenden darf. Vergangene Woche machten sich Online- Verantwortliche von Schweizer Newsportalen an einer vom Verband Schweizer Presse (VSP) organisierten Fachtagung mit Acap vertraut. Dabei war zu erfahren, dass bereits rund 200 Internetportale – hauptsächlich in Europa – Acap nutzen. In Kürze soll es auch von Ringier weltweit eingeführt werden. Der Verband Schweizer Presse will sich weiterhin für das Protokoll einsetzen und es aktiv unterstützen. Auch die EU-Kommission hat Unterstützung zugesagt. Allerdings: Acap wird von den grossen Suchmaschinen-Betreibern nicht unterstützt. Der programmiertechnische Aufwand, dieses Protokoll umzusetzen, sei zu hoch. Es wird nicht einfach sein, Acap gegen den Widerstand von Google durchzusetzen.
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