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  • 5. September 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Selbstverwaltete Nachrichten

    Selbstverwaltete Nachrichten

    BlogNews will ohne Journalisten leben

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    ras. In den USA werden die Stimmen von Bloggern offensichtlich ernst genommen. Mehrere hundert Schreiber erhielten eine Akkreditierung für die Parteikongresse der Demokraten und Republikaner. Einige Leser waren, so schreibt die «New York Times», gar bereit, ihren für Gotteslohn arbeitenden Internet-Leitartiklern ein Reisegeld mit auf den Weg zu geben.

    So weit sind wir in der Schweiz nicht. Um den hiesigen Einzelkämpfern bessere Auftrittsmöglichkeiten zu geben, schuf die Internetfirma Idealizer Mitte März das blogverzeichnis.ch. Da die Firma davon überzeugt ist, dass die Digitalisierung zu einer umfassenden Demokratisierung des Meinungsaustausches führen wird, und diesen Prozess fördern will, gründete sie dieser Tage die Plattform BlogNews.ch. Hier sollen sich die atomisierten Netz-Akteure vergemeinschaften und – in Abgrenzung zu den konventionellen Medien und den Roboter-Newsdiensten von Google – die aktuellen Nachrichten selber verwalten.

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    Was kommt dabei heraus? Die Rubriken zur Gestaltung der Nachrichtenwelt sind so gewöhnlich wie anderswo auch: Schweiz, Ausland, Wirtschaft, Politik, Sport, Internet. Darunter geht es allerdings so anarchisch zu und her wie im sagenhaften Wilden Westen. Beispielsweise am Mittwochnachmittag: Unter «Schweiz» versammeln sich Informationen über Thailand und seine Demokratie, über das Saarland und die Linke und über «Samuel Schmids kleine Unwahrheiten». Unter Wirtschaft geht es um «depressive Webserver», um den Ölpreis und den «Startup eines Startups». Auch eine Pressemitteilung des Axel-Springer-Verlags, wonach dieser die Websites usgang.ch und partyguide gekauft habe, ist gleichberechtigt in der Rubrik placiert. Bei so viel demokratischem Pluralismus wird sich vielleicht der eine oder andere Konsument nach der ordnenden Hand eines professionellen Redaktors sehnen.

    Wer sind die Lieferanten dieser Informationen? Man trifft die üblichen Öffentlichkeits-Täter: einen Journalisten, einen PR-Agenten, diverse Blogger, die auf ihre Sites aufmerksam machen, und viele Politiker von Grünen und SP über CVP bis FDP. Sie werden hier wohl einen harten Kampf ums öffentliche Dasein führen müssen. Diese Aussichten stimmen vielleicht einige Akteure milder gegenüber den herkömmlichen journalistischen Schleusenwärtern, von denen sie sich manchmal misshandelt fühlen.


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