Expand your brand" lautet ein Programm, das sich der Verlag Gruner + Jahr (G+J) 2006 ausgedacht hat und für die Ausdehnung etablierter Marken in die digitale Welt steht. Da es auf die viel beschworene schwierige Marktsi-tuation für Publikumszeitschriften möglichst vielfältig zu reagieren gilt, steht der Slogan auch für andere Wege, Kunden zu binden und neue zu gewinnen. Teil von "Expand your brand" ist auch die Messe Eat'n Style, die von Freitag bis Sonntag in den Hamburger Messehallen stattfindet - unter anderem zum Wohle der hauseigenen Zeitschriftenmarken "Essen & Trinken" und "Living at Home".
Veranstalter des Spektakels ist eine Firma mit dem putzigen Namen G+J EME Foodshow, die wiederum gehört zur G+J Expomedia Events (G+J EME). Dieses Unternehmen wurde eigens gegründet, um "marken- und themennah zum Portfolio von Gruner + Jahr Publikumsmessen und Fachmessen zu entwickeln".
In vier Städten, auch in Wiesbaden, München und Köln, richtet man Eat'n Style mittlerweile aus. Als Zugpferde der "Messe mit Geschmack" (Eigenwerbung) dienen bekannte TV-Köche. So tre-ten in Hamburg Tim Mälzer, Sarah Wiener und Johann Lafer im "Großen Kochtheater" auf. Ohne die Kochshows im Fernsehen wäre Eat'n Style kaum denkbar. Der "gesellschaftliche Megatrend" Kochen sei auf jeden Fall hilfreich, sagt Arne Petersen, Geschäftsführer der G+J EME Foodshow.
Die Mitstreiter von Mälzer und Konsorten sind an diesem Wochenende Journalisten. Das Team von "Essen & Trinken" präsentiert Kochshows, das von "Living at Home", zuständig dafür, dass das Style-Versprechen im Veranstaltungstitel erfüllt wird, offeriert unter anderem "Blumendekorationsseminare" (Petersen).
Vier bis sechs Leute sind pro Titel ständig vor Ort, und bei allen Eat'n Style-Veranstaltungen mit dabei ist Katja Burghardt, Chefredakteurin von "Essen & Trinken". Ihre Redaktion, sagt sie, unterscheide sich von anderen dadurch, dass sie "nicht nur aus Mitarbeitern besteht, die an Schreibtischen sitzen", sondern auch festangestellten Köchen, die in der Versuchsküche des Verlagssitzes am Hamburger Hafen für die Leserschaft Rezepte austüfteln. Dieser Teil der redaktionellen Arbeit werde bei den Eat'n Style-Messen für den Leser "erlebbar", sagt Burghardt. Es hätten sich - Kochshow-Redakteure der TV-Sender werden es möglicherweise gern hören - bei den Messen bisher schon einige "Talente herauskristallisiert", sagt die Chefin.
Mit der Entwicklung von Eat'n Style ist man bei G+J EME zufrieden: Die erste "Foodshow" im November 2006 in Köln verbuchte hundert Aussteller und 15 000 Besucher. Ein Jahr später kamen 220 Aussteller und 25 000 Besucher.
An den Segen von Messen glaubt auch die Konkurrenz im Süden. Der G+J-Rivale Burda veranstaltet in Stuttgart die Futtermesse "Lust auf Genuss", ebenfalls unter Einbindung der hauseigenen Fachblätter ("Meine Familie & ich", "Lisa Kochen & Backen"). Die Premiere ging im Herbst 2007 über die Bühne, die zweite Messe folgt im November. So setzt sich auf diesem Geschäftsfeld der Konkurrenzkampf fort, den sich die Häuser mit ihren Essens-Blättern liefern - nicht zuletzt im Netz, wo beispielsweise chefkoch.de und essen-und-trinken.de (G+J) sowie bongusto.de und daskochre-zept.de (Burda) um die Klicks von Hobbyköchen buhlen.
Das Geschäftsfeld Messe dürfte für die Medienkonzerne längst nicht ausgereizt sein. Die G+J- Messetochter veranstaltet auch noch die "Babywelt", um die begehrte Zielgruppe der Eltern noch besser abzuschöpfen. Andere Verlage würden die Entwicklungen bei G+J EME intensiv beobachten, meint Petersen.
Seine Firma hat noch weitere Messekonzepte in petto. Vorstellbar wäre eine Messe zum Thema Gesundheit - passend zu den G+J-Titeln "Healthy Living" und "Stern Gesund Leben". Die Entwicklungen könnten auch das Berufsbild des Journalisten in Nuancen verändern: Möglicherweise müssen sich bald noch mehr Kollegen nebenbei den Kopf über Messeprogramme zerbrechen.

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