Von Rainer Braun, 04.09.08, 14:46h
In der Sache hielt sich der Ertrag der hochkarätig besetzten Runde „Quo Vadis Bundesliga“ erwartungsgemäß in Grenzen, weil sich die Rechte-Inhaber nicht in die Karten schauen ließen – spannender gestaltete sich hingegen die Atmosphäre unter den Akteuren. Neutrale Beobachter konnten sich des Eindrucks kaum erwehren, dass hier große Jungs bereits sehr viel Geld verplant haben ohne realistisch die tatsächlichen Erlös-Möglichkeiten ausgelotet zu haben. So verwies etwa der Premiere-Sport-Vorstand Carsten Schmidt darauf, dass die Zahlen der Abonnenten des reinen ‚Bundesliga-Pakets’ sich nur noch auf 1,9 Millionen Abos belaufen – rund 500 000 weniger als vor zwei Jahren. Das mag auch erklären warum DFL und Sirius vom Zwischenbescheid aus Bonn überrascht wurden und bis auf weiteres immer noch die (rechtlichen) Konsequenzen prüfen.
„Wir wären bescheuert, wenn wir jetzt sagen würden, was wir machen“, gab etwa der Geschäftsführer von Schalke 04, Peter Peters, zu Protokoll. Zugleich bekräftigte er, dass die DFL in der Empfehlung des Kartellsamts eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber der europäischen Konkurrenz sehe, die nicht akzeptiert würde. DFL-Direktor Tom Bender zeigte sich wie Peters optimistisch, dass wir „zum richtigen Zeitpunkt die Lösung haben“. Der scheidende ARD-Programmdirektor Günter Struve rechnet mit einer Ausschreibung bis zum Jahresende und bot sich der DFL auch in Zukunft als fairer Partner an, der „die DFL nicht hängen lasse“. Struve kann mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass der Bundesliga-Fußball der ‚Sportschau’ auch ab 2009 erhalten bleibt, weil er durch den Zwischenbescheid des Kartellamts am Sonnabend kaum kommerzielle Konkurrenz zu befürchten hat. RTL-Sportchef Manfred Loppe deutete an, dass sein Haus nicht gewillt sei, am Sonnabend pro Saison 50 Millionen Euro „zu verbrennen“, weil sich die Ausgaben für den Rechteerwerb nicht refinanzieren ließen.
Absehbar ist hingegen, dass demnächst der bestehrende Vertrag zwischen DFL und Sirius zumindest modifiziert wird, weil dessen Grundlage weggefallen ist, wie Dejan Jocic für die Kirch-Tochter feststellte. Klar scheint auch, dass die hochtrabenden Erlös-Erwartungen damit Makulatur sind und nach unten korrigiert werden müssen - wenn auch nicht so weit wie in Italien, wo die RAI für 27,5 Millionen Euro den Zuschlag für die free-TV-Rechte erhielt. Es spricht einiges dafür, dass die Bundesliga-Clubs unterm Strich -wie bisher- auch ab 2009 mit gut 400 Millionen Euro rechnen können wie Rainer Hüther von ‚Em Sport’ prognostiziert, weil der Markt und seine Strukturen derzeit nicht mehr hergeben.
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