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"heute journal"

Wie das ZDF seine Nachrichten missbraucht

(48)
Von Kai-Hinrich Renner 3. September 2008, 19:28 Uhr

Im "heute journal" erschien ein Beitrag über die Berliner Medienwoche. Es ging um die Internetpräsenz der öffnetlich-rechtlichen Sender, um die momentan heftig gestritten wird. Der Bericht war jedoch alles andere als neutral. Und so bleibt ein bitterer Nachgeschmack.

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Foto: ZDF

Vom "Heute Journal" zum "Spiegel": Claus Kleber sollte die Nachfolge von Stefan Aust antreten. Nach Tagen des Nachdenkens sagte Kleber ab.

Am Dienstagabend schaffte es die Berliner Medienwoche dank eines hochkarätigen Gasts - dem BBC-Chefs Mark Thompson - in das „heute journal“ des ZDF. Knapp 5,8 Millionen Zuschauer sahen, was der TV-Manager auf dem Kongress zu sagen hatte. Von einem solch gigantischen Publikumsinteresse können Veranstalter manch anderer Medientage nicht mal träumen.

Das ZDF hatte Thompson selbst nach Berlin gelotst. Er sollte auf dem Kongress und im „heute journal“ bezeugen wie wichtig ein opulenter Internet-Auftritt öffentlich-rechtlicher Sender ist. Schließlich hat die BBC ganz offiziell den Auftrag, „Digital Britain“ aufzubauen.

In Deutschland mögen Privatsender und Verlage nicht einsehen, warum ARD und ZDF mit Gebührengelder ungehemmt ins Internet expandieren sollen. Die Regeln für das Online-Engagement der Öffentlich-Rechtlichen werden vom Gesetzgeber gerade festgezurrt. Folglich ist der Auftritt Thompsons bei der Medienwoche und im „heute journal“ für das ZDF so etwas wie Werbung in eigener Sache: Der BBC-Chef sagte auf dem Kongress und in die ZDF-Kameras, dass man doch allen öffentlich-rechtlichen Sendern im Internet dieselben Möglichkeiten eröffnen möge wie seinem Haus.

Kein Wort aber in dem - zurückhaltend formuliert - tendenziösen Bericht des „heute journals“ darüber, dass sich die BBC nicht ohne weiteres mit ARD und ZDF vergleichen lässt. Das Programm der Briten ist werbefrei. Mit dem BBC Trust haben sie ein übergeordnetes Kontrollgremium, das diesen Namen verdient. Und die Gebühreneinnahmen von ARD und ZDF sind zusammen fast doppelt so hoch wie die der BBC. Zeitungsjournalisten sagte Thompson kurz vor seinem Auftritt bei der Medienwoche denn auch, dass „es wenig Sinn mache, sich aus dem britischen die Rosinen herauszupicken“.

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Sollten ARD und ZDF ihr Internetangebot ausweiten?

Generell waren auf der Medienwoche öffentlich-rechtliche Hierarchen überproportional vertreten. Lag das an der bevorstehenden Verabschiedung des neuen Rundfunkstaatsvertrags? An der Podiumsdiskussion zu Kongressbeginn am Montag nahmen mit Markus Schächter (ZDF) und Lutz Marmor (NDR) gleich zwei Intendanten teil. Die Veranstaltung mit dem Titel „Internet – Das neue Leitmedium?“ verlief ein wenig zäh, weil die Diskutanten aus Verlagen und Sendern nicht so recht wussten, ob es sich bei dem Internet überhaupt um ein Medium handelt und was man damit anfangen soll.

Gegen Ende der Diskussion hatte Schächter noch einmal Gelegenheit vor einem „Marktversagen“ zu warnen, sollten ARD und ZDF ihre Online-Pläne nicht umsetzen können. Dass er privaten Anbietern – ob sie nun „Welt“, „Spiegel“ oder „Süddeutsche Zeitung“ heißen – keine Qualitätsprodukte im Netz zutraut, hat er allerdings schon häufiger zum Besten gegeben.

Ihren Tiefpunkt erreichte die Medienwoche mit einer Veranstaltung die als Highlight gedacht war. Zu einem Medienpolitik-Gipfel zum Thema „Neue Medientechnologien“ war der angekündigte SPD-Vorsitzende Kurt Beck gar nicht erst erschienen. So schoben sich der omnipräsente Schächter, der ARD-Vorsitzende Fritz Raff und Vertreter der Geräteindustrie gegenseitig die Schuld zu für die schleppende Einführung von Handy-TV und hoch auflösendem Fernsehstandard HDTV.

Wer rechtzeitig den Absprung schaffte, konnte noch das Ende einer Diskussionsrunde über strategische Allianzen im Internet miterleben. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zeigte sich offen für allerlei Kooperation mit Verlagen, Privatsendern und digitalen Kontaktbörsen wie My Space. Interessanterweise handelt es sich dabei um jene Unternehmen, denen sein Intendant im Netz keine hohe Qualität zutraut.

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Caren Miosga führt souverän durch das ARD-Magazin

Schließlich hatte der große alte Mann der ARD, der scheidende Programmdirektor Günter Struve, auf der Medienwoche seinen letzten Auftritt bei einer Podiumsdiskussion. Er versprach auf einer Veranstaltung über Fußball-Rechte Vertretern der Bundesliga sein Haus werde ihnen „ein faires Angebot“ machen. Die Herren kündigten für die „nächsten Wochen und Monaten“ eine neue Ausschreibung an. Wie sie aussehen wird, vermochten sie nicht mal andeutungsweise zu sagen. Nachdem das Bundeskartellamt angekündigt hat, gegen eine Ausschreibung ohne Bundesligaberichte im Free TV vor 20 Uhr ein Veto einzulegen, herrscht bei der Liga Ratlosigkeit.

Alles andere als ratlos zeigte sich Mark Goldman bei seinem Auftritt auf der Medienwoche. Der Chef des Senders Current TV, der 2005 vom ehemaligen US Präsidentschaftskandidaten Al Gore gegründet wurde, setzt auf Beiträge seines jungen Publikums. Selbst Werbespots produzieren die Nut-zer selbst. Current TV, das sich auch als Internet-Community versteht, kommuniziert über seine Website mit den Zuschauern. Mittlerweile erreicht der Sender 58 Millionen Haushalte in den USA, Großbritannien, Irland und Italien. Derzeit wird der deutsche Markt sondiert.

Goldmans Präsentation hob sich von der anderer Referenten ab: Mit kurzen Ausschnitten aus dem Programm von Current TV stellte er unter Beweis, dass Beiträge der Zuschauer nicht zwangsläufig von minderer Qualität sein müssen.

Verglichen mit Goldman sah die digitale Hoffnung der Öffentlich-Rechtlichen – trotz des Auftritts im „heute journal“ ziemlich alt aus. BBC-Chef Thompson las seinen Vortrag vom Blatt. Eine visuelle Präsentation der angeblich so starken digitalen Angebote seines Senders fehlte völlig.

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Kommentare

03.09.2008
19:49 Uhr
Florian sagt:
Mein öffentliches Recht - sehr gerne. Ich zahle gerne meine Gebühren - freiwillig!

ABER

Ich fordere WERBEFREIE öffentliche Sender. Völlig werbefrei, unabhängig und neutral.
03.09.2008
19:59 Uhr
Fredereck sagt:
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Ziegeln spielen.
Die Zeiten, in denen Hänschen Müller abends nur die Tagesschau und Morgends die Lokaltageszeitungen gelesen hat, sind vorbei. Die Internet-Menschen von heute wissen ganz genau, dass die von ALLEN Medien besch*ssen werden. Und deshalb geht man auch nur noch dorthin wo man die 'Wahrheit' bekommt, die man haben will.

Kein Wunder, das das offene Internet der größte Feind der Politiker und Eliten ist...
03.09.2008
20:11 Uhr
despera.do sagt:
wäre ich die dfl? nachdem die ard garantiert über den umweg des kartellamtes versucht hat den preis zu drücken - ich würde die rechte vor 20 uhr ans dsf oder an kabel1 verschenken.
03.09.2008
20:12 Uhr
Qualität? sagt:
Die Umfrage ist irreführend, so als seien die öffentlich-rechtlichen keine Qualitätspresse. Die haben sicher ihre Probleme, aber wer würde hier bei den tendenziösen politischen Artikeln der WELT von "Qualität" sprechen wollen? Das meiste ist wohl von 20-jährigen Praktikanten oder von 40-jährigen 1-Euro Jobbern formuliert. Wenn nicht von anderen Agenturen "geliehen". Qualität ist aber aber für alle Bereiche im Internet ohne Probleme auffindbar. Hier sicher nicht!
03.09.2008
20:26 Uhr
HosenBiesler sagt:
Bild dir deine Meinung!

Zum selber Meinung bilden unten stehende Webadresse der ZDF ansteuern und den Suchbegriff "Im Zuschauerinteresse: ZDF im Internet" eingeben. Sollte mit der Technik alles klappen wird der kritisierte Bericht abgespielt.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/9602?inPopup=true

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