Fernsehen

Das Zweite bekommt drei neue Kanäle

Von Michael Hanfeld

Der ZDF-Theaterkanal - hier Moderatorin Esther Schweins - soll zum Kulturkana...

Der ZDF-Theaterkanal - hier Moderatorin Esther Schweins - soll zum Kulturkanal werden

04. Juli 2008 Das ZDF rüstet sich für das digitale Fernsehen und das Internet mit großen Plänen. Der Intendant Markus Schächter hat sie dem Aufsichtsgremium des Senders, dem Fernsehrat, vorgestellt. Der wichtigste Punkt: Das ZDF will die drei digitalen Fernsehprogramme, die ihm der neue Rundfunkstaatsvertrag zusichert, umwidmen.

Der „ZDFInfokanal“ soll im Internet mit dem neuen „ZDFinfoportal“ verbunden werden – einer Fortentwicklung von heute.de. Der „ZDFDokukanal“ soll ein Programm für junge Familien werden. Einen Titel gibt es noch nicht, aber eine inhaltliche Kontur. Demnach soll das Programm sich an Zuschauer im Alter zwischen zwanzig und fünfzig Jahren wenden, mit Dokumentationen, Reportagen, Spielfilmen, Serien, Magazinen, Shows und Talks. Und schließlich soll der „ZDFTheaterkanal“ zu einem „ZDFKulturkanal“ mutieren (siehe: Das ZDF will einen eigenen Kulturkanal), der sich auch einem jüngeren Publikum zuwenden soll, „mit viel Musik und spielerischer Vermittlung kultureller Inhalte“.

Stärkere Veränderungen im Hauptprogramm

Den Intendanten Schächter treiben zwei Dinge um: dass den öffentlich-rechtlichen Sendern im Internet zu starke Fesseln angelegt werden könnten und man ihnen den Zugang zur digitalen Zukunft abschneide und dass sich der „Generationabriss“ verfestige. Will heißen, dass nur noch die Älteren das ZDF wahrnehmen. Um dies zu verhindern, seien, so meint Schächter, eventuell auch stärkere Veränderungen im Hauptprogramm vonnöten.

Mit seinen Plänen schreitet der Intendant konkret voran, geht aber auch ins Grundsätzliche, meint er doch, dass der Begriff „Rundfunk“ in der digitalen Welt „nur noch im Hinblick auf seine publizistische Funktion“ zu definiert sei. Demnach zeichne sich – was auch das Bundesverfassungsgericht betone – Rundfunk dadurch aus, dass er sich an die Allgemeinheit wende, Relevanz für die Meinungsbildung habe und elektronisch verbreitet werde; wobei unter „elektronisch“ Fernsehen und Radio genauso wie das Internet zu verstehen sei.

Rundfunklizenz für die Verlage

Folgt man diesem Gedanken, könnte man alles, was ARD und ZDF ins Internet stellen, als Rundfunk betrachten und wäre auch alles – so wie es der zwölfte Rundfunkänderungsstaatsvertrag gebietet – „sendungsbezogen“. Es würde sich nämlich beziehen auf Sendungen im Hauptprogramm, den digitalen Kanälen oder – bei der ARD – aufs Radio. Das ist ein klarer Kontrapunkt zu dem Begriff der „elektronischen Presse“, den die Verlage ins Feld geführt haben. Den hält Schächter für ungenügend definiert, hier bedürfe es einer juristischen Nachbesserung. Denkt man Schächters Ansatz zu Ende, müssten sich die Verlage am Ende vielleicht eher um eine Rundfunklizenz bemühen, als dass die Sender Abstand zu nehmen hätten von reinen Textportalen.

Dass das ZDF bei seinen Plänen für das digitale Fernsehen und das Internet keine zu großen Sprünge macht, erklärte Schächter dem Fernsehrat, dafür sorge schon das Budget, in den Jahren 2009 bis 2012 sehe das für Internetinvestitionen nur zwölf Millionen Euro pro Jahr vor.

Um die Auswidmung der drei Digitalkanäle haben die Ministerpräsidenten ARD und ZDF ausdrücklich gebeten. Im Entwurf des Rundfunkstaatsvertrages steht, dass die Sender den Zuschnitt ihrer jeweils drei Digitalkanäle noch benennen sollen. Welche Möglichkeiten damit verbunden sind, das hat der ZDF-Intendant jetzt aufgezeigt. Beschlossen ist der Plan noch nicht, auf der nächsten Sitzung der Fernsehräte im Oktober soll er es aber werden. Am 22. Oktober treffen sich die Ministerpräsidenten, um den neuen Rundfunkstaatsvertrag zu beschließen. Hat das ZDF seinen Digitalplan bis dahin gefasst, werden die drei neu beschriebenen Kanäle Realität. Sie müssen dann auch nicht – bis auf die Angebote im „ZDFInfoportal“ – in den Dreistufentest, mit dem künftig neue Angebote der Öffentlich-Rechtlichen geprüft werden.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

 
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