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[Bildunterschrift: Im eigenen Haus heftig umstritten: Der Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Josef Depenbrock. ]
Ein Chefredakteur leitet - wie der Name nahelegt - eine Redaktion. Josef Depenbrock, Chefredakteur der "Berliner Zeitung", tut das nach Ansicht seiner Redaktion nicht oder nur unzureichend. Der Streit zwischen den Journalisten und ihrem Chef schwelt bereits seit mehr als zwei Jahren. Inzwischen hat er sich derart zugespitzt, dass er Arbeitsrichter beschäftigt und der Konkurrenz zu einer großformatigen Stellenanzeige verhilft.
Die Redakteure der "Berliner Zeitung" werfen Depenbrock vor, in erster Linie die kaufmännischen Interessen des Eigentümers durchsetzen zu wollen. Das traditionsreiche Blatt gehört seit 2005 dem britischen Investor David Montgomery. Und dieser wolle vor allem Einsparungen zugunsten einer möglichst hohen Rendite, befürchtet die Redaktion. Dadurch sei die journalistische Unabhängigkeit der Zeitung gefährdet. Nach Medienberichten stehen bei der "Berliner Zeitung" derzeit 40 der 130 Redakteursstellen zur Disposition.
Chronologie:
Depenbrock hat bei der "Berliner Zietung" eine Doppelfunktion: Er ist nicht nur ihr oberster Journalist sondern gleichzeitig auch Geschäftsführer des Verlages, in dem die Zeitung erscheint. Gegen diese Personalunion wollte die Redaktion gerichtlich vorgehen. Dass Depenbrock beide Posten innehat, widerspreche dem Redaktionsstatut und den Arbeitsverträgen der Redakteure, so ihre Argumentation. Das Berliner Arbeitsgericht sah das anders und wies die entsprechende Klage ab. Der einzelne Redakteur könne auf die Bestellung des Chefredakteurs keinen Einfluss nehmen, so das Gericht. Das Redaktionsstatut sehe nur vor, dass der von Redakteuren gebildete Vertrauensausschuss von der Chef-Bestellung zu informieren sei und sich äußern und Vorschläge machen dürfe. Eine weitergehende Mitwirkung sei nicht vorgesehen.
Redaktionsstatut: Ein Redaktionsstatut ist eine Vereinbarung zwischen Verlag und Redaktion. Das Statut ist ein wichtiges Instrument für die Mitbestimmung der Redakteure. Sie können zum Beispiel bei der Berufung von Chefredakteuren und Ressortleitern mitsprechen, im Fall der "Berliner Zeitung" aber nicht mitentscheiden.Der Sprecher des Redaktionsausschusses, Thomas Rogalla, kündigte weitere Proteste an. Dass die Redakteure dabei auch bereit sind, ziemlich ungewöhnliche Wege gehen, bewiesen sie bereits mit einer Anzeige in der Berliner "taz". In der großformatigen Annonce auf der Medienseite wirbt die Redaktion "in noch ungekündigter Position" für sich. Sie verspricht "meist gutes Deutsch profilierter Autoren" und eine "beträchtliche Rendite, die sich aufgrund unserer Nachhaltigkeitsstrategie allerdings nicht beliebig steigern lässt". Im Gegenzug sucht die Redaktion "eine/n seriöse/n VerlegerIn, die/der eine Zeitung nicht nur macht, um sofort Geld zu verdienen. Sondern die/der zuerst eine Zeitung macht und dann damit Geld verdienen will."
[Bildunterschrift: "Nur ernst gemeinte Angebote an: Redaktion - keinesfalls: Chefredaktion der Berliner Zeitung", fordert die Belegschaft in ihrer Suchanzeige. ]Die Redaktion wirft Depenbrock vor, als Chefredakteur kaum präsent zu sein und journalistische Grundsätze zu ignorieren. Seit Depenbrocks Antritt seien immer wieder die Grenzen zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung missachtet worden, sagte Redakteursvertreter Thomas Rogalla. Als Beispiel nannte Rogalla Werbeaktionen, die nicht als solche für den Leser erkennbar gewesen seien.
Depenbrock will trotz der Kritik seiner Mitarbeiter an beiden Ämtern festhalten: "Wir sind davon überzeugt, dass ein Journalist das Unternehmen führen sollte und nicht ein Unternehmer. Ich bin Journalist", sagte er. Er mache auch seine Entscheidung nicht davon abhängig, ob der Betriebsfrieden in Gefahr sei. Die Zeitung sei "kein Wohlfühlverein", er sei zudem "nicht als Everybody's Darling eingestellt" worden. Zum Vorwurf der Renditesteigerung als vorrangiges Ziel der Geschäftsleitung entgegnete er: "Die Renditevorgaben für 2008 kamen von mir und sind von Herrn Montgomery gebilligt worden."