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03.07.2008    7:52 Uhr Drucken  |  Versenden  |  Kontakt
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BBC: Archive im Netz

Titanic im Bermudadreieck

Schätze der eigenen Rundfunkgeschichte wollte die BBC bergen. Der britische Großsender öffnete die Archive - doch von Preziosen ist wenig zu sehen.
Von Marita Stocker

Titanic
vergrößern Ob sich wohl die Bergung der Archivschätze der BBC ähnlich schwierig gestaltet wie die der Titanic?
Foto: AP
 

Die Internet-Startseite der BBC ist bunt. Mehrmals täglich erstrahlt sie in einer anderen Farbe. Jetzt möchte die BBC im Netz auch ihrer großen Vergangenheit zu mehr Strahlkraft verhelfen. Denn die British Broadcasting Corporation ist seit ihrer Gründung im Jahre 1922 zu einem der angesehensten Sender weltweit geworden.

Und während in Deutschland beschlossen wird, die Internetauftritte der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf sendungsbezogene Inhalte zu reduzieren, stellt die BBC ihren Nutzern ein riesiges, kostenfreies Archiv an Fernseh- und Radiosendungen zur Verfügung.

Zumindest kündigt sie das mit großen Worten an: "Die BBC hat vermutlich die beste Fernsehbibliothek der Welt", so Greg Dyke, der damalige Generaldirektor des Senders im August 2003 auf dem Edinburgh Television Festival, "durch die digitale Revolution und die Breitband-Technologie gibt es jetzt erstmals einen einfachen und erschwinglichen Weg, diesen Schatz der BBC für alle verfügbar zu machen."

Ganz so einfach scheint es dann doch nicht gewesen zu sein, denn die Suche nach und in den sagenumwobenen Archiven gestaltet sich schwierig. Auf der Startseite findet sich kein Link und kein Hinweis. Also flink "Archive" in das Suchfeld eingegeben.

Der Köder ist ausgelegt

Die beiden obersten Treffer sehen vielversprechend aus, besonders der zweite: http://www.bbc.co.uk/cult/treasurehunt/. Treasurehunt, Schatzsuche, das klingt spannend und geheimnisvoll, doch auf der Seite blinkt dann ein Warnhinweis: Die BBC aktualisiere dieselbe nicht länger.

Kann das möglich sein? Das mit Eigenlob dekorierte Archiv verwaist und für die BBC nicht weiter von Interesse? Auf der Schatzsucherseite sind nur Sendungen zu finden, die vor 1980 ausgestrahlt wurden. Das archivierte Radiomaterial reicht zurück bis 1924 und das Fernsehmaterial bis 1936.

Von der Fernsehvarietéshow bis hin zu einzelnen Serienfolgen findet der Nostalgiker hier tatsächlich manchen Leckerbissen der frühen Fernsehgeschichte. Es handelt sich bei dem Videomaterial allerdings meist nur um kurze Ausschnitte. Bislang also keine Spur von komplett archivierten Sendungen.

Briten bevorzugt

Vielleicht birgt die zweite Spur mehr Informationen? Tatsächlich: Das ist sie, die offizielle Seite des BBC Archivs. Hier gibt es momentan drei Sammlungen von Video- und Audiomaterial zu den Themenschwerpunkten "Leben der Arbeiterklasse", "Überlebende der Titanic" und "Geburt des National Health Service". Immerhin finden sich hier auch 30-minütige Interviews und nicht nur kurze Appetithäppchen.

Die Filme wären sicherlich interessant, wenn man sie problemlos abrufen könnte und sie nicht ziemlich oft "momentan nicht zur Verfügung" stünden oder "außerhalb des Vereinigten Königreichs nicht abgespielt werden" könnten.


Wo, beziehungsweise ob außerhalb dieser Schwerpunkte andere Sendungen zu finden sind, bleibt unklar. Das ist frustrierend und zeitraubend. Vor allem nachdem der damalige BBC-Generaldirektor Greg Dyke bereits am 24. August 2003 angekündigt hatte, das gesamte Radio- und Fernsehprogramm zum Download zur Verfügung stellen zu wollen. Eine "zweite Phase der digitalen Revolution" hatte Dyke vor fünf Jahren kommen sehen.

Bislang ist von dieser zweiten Phase wenig zu merken. Letzte Hoffnung nach einem halben Tag Recherche zwischen kleinteiligen Videoschnipseln ist das virtuelle Treffen mit den ausgewiesenen "Experten" des Archivs. Die müssten doch wissen, wo sich die Schätze der BBC verstecken.

Auch hier der Hinweis, das Video stünde derzeit nicht zur Verfügung. Der Hinweis verschwindet nicht, dennoch lassen sich die Videos problemlos abspielen.

Selbstbeweihräucherung

Die Ausführungen sind lehrreich für Journalisten und Zahlenfanatiker und wirken wie eine Werbeveranstaltung des Senders. So verkündet Experte Adam Lee, dass die BBC 600.000 Stunden Fernsehmaterial und 350.000 Stunden Radiomaterial archiviert habe.


Greg Dyke
vergrößern Inzwischen aufgrund anderer Schwierigkeiten aus dem Amt geschieden: Greg Dyke.
Foto: AP
 

Es wird deutlich, dass die britische Rundfunkanstalt es als ihren Anteil am kulturellen Erbe der Menschheit ansieht, die Tonnen an Bild- und Tonmitschnitten zu sichern und dem geneigten Publikum zur Verfügung zu stellen. Noch hält es die BBC leider mit Shakespeare und macht "viel Lärm um nichts".

Dem Suchenden bleibt die Hoffnung, dass der große Schatz in den Kellern der BBC der Öffentlichkeit eines fernen Tages doch noch zur Verfügung gestellt wird.

Wer sich für qualitativ hochwertiges Fernsehen interessiert, dem sei bis dahin das Portal "Plus 7" des deutsch-französischen Gemeinschaftssenders Arte ans Herz gelegt.

Mit weitaus weniger Pomp und Getöse angekündigt, dafür aber tatsächlich online und in voller Länge abrufbar, finden sich hier alle ausgestrahlten Sendungen der vergangenen sieben Tage.

Und schließlich ist ein funktionierendes Kurzzeitgedächtnis besser, als ein verschüttetes Langzeitgedächtnis.


(sueddeutsche.de/korc)

Leserkommentare (2)

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03.07.2008 13:24:51

das_Gewaechs: @A.Hauss

Oh Ihr ewig gestrigen alt-linken oder gar neo-linken (anti-globalistischen/Attac) Verschwoerungstheoretiker!

Wie ja nicht erst seit gestern bekannt, sind die Baender doch laengst wieder aufgetaucht: http://www.bbc.co.uk/blogs/theeditors/

Und - Ueberraschung - sie enthalten keinerlei Beleg fuer eine Verschwoerung des weltweiten Kapitallismus, der amerikanischen Regierung oder aber der boesen, boesen Isreaelis, die ja in "informierten" Kreisen grundsaetzlich gerne als Ursache allen Uebels herhalten muessen.

Es ist erschreckend, auf welch geringem geistigen Niveau sich immer und immer wieder der Kommentarbereich einer an sich selbst den Anspruch der bodenstaendigen Intellektualitaet stellenden Zeitung bewegt. Nun kann die SZ nicht zwingend etwas fuer ihre Leser - bestimmt moechte sie auch grenz-reaktionaere Charaktere wie mich gar nicht als Abonnent. Die zeitliche Begrenzung der Kommentarfunktion war wirklich ein Schritt in die richtige Richtung. Ich frage mich aber ob solcher Kommentare wie dem von A.Hauss immer mehr, ob Kommentare/das Web 2.0 nicht vielmehr eine Ursache (zugegeben unter mehreren) als Teil der fortschreitenden Demokratisierung des Unsinns sind.

Aber so verbraemt konservativ die Kommentare beispielsweise bei der boesen Allgemeinen Zeitung aus Frankfurt (igitt, sog. Bildungsbuerger!) teilweise sind, umso schlimmer, unreflektierter und zumindest mir in meinem offensichtlich beschraenktem Auffassungsvermoegen kleingeistiger erscheinen mir hier nur allzu oft die Auslassungen meiner Mitmenschen.

Hauptsache, irgendwie informiert wirken und dabei in bester alt-linker Manier ein paar Seitenhiebe gegen das politisch unliebsame Establishment platzieren (seien es die Angelsachsen, insb. Bush und abnehmend auch Blair, die katholische Kirche, die Unionsparteien in Deutschland oder wer auch immer). Lustig, dass ausgerechnet die Alt-Linken doch die Mehrheit des Establishments stellen. Demokratischer Sozialismus als Zielsetzung der traditionsreichsten Volkspartei in Deutschland - mir drehen sich ob solcher Geschichtsvergessenheit Hirn, Magen und Gedaerm herum - im gleichen Tempo wie Brandt, Wehner u.a. Sozialdemokraten mit Format (zu finden vorzugsweise auf dem Gottesacker) vermutlich in ihren Graebern rotieren.

Ich bitte ob der laenge meines Pamphlets um Vergebung - aber irgendwann musste ich meinen subjektiven Frust ob der (online-)Unkultur in den deutschen Medien los werden.

Gruss,

Das Gewaechs

P.S.: Jawohl, ich bin bereits ausge


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