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Mehr Lokales, mehr Reklame

Wenn das Sparschwein regiert: Die L.A. Times wird kaputtgeschrumpft

Eva Schweitzer

Bei der Los Angeles Times herrscht das Sparschwein: Seit der Immobilienhändler Samuel Zell aus Chicago die Traditionszeitung mitsamt der Muttergesellschaft Tribune Company übernommen hat, wurden dort Stellen gestrichen und Seiten gekürzt. Nun will Zell einen Schritt weitergehen: Er will das Stammhaus der Los Angeles Times verkaufen, wie auch das Hochhaus der Chicago Tribune, beides denkmalgeschütze Ikonen mitten in der Stadt.

Vor gut einem Jahr hat Zell die L.A. Times gekauft, seitdem rumort es dort. Zells Einfluss in der Los Angeles Times, so meinte der Washington-Post-Autor Harold Meyerson, sei "so positiv sei wie der von Streetgangs und der mexikanischen Mafia". In nur wenigen Jahren hat die Los Angeles Times vier Chefredakteure und Verleger verloren. Von ursprünglich fast Tausend Stellen sind heute rund 700 übrig, und es sollen noch weitere Jobs gestrichen werden, kündigten Zell und sein Finanzchef Randy Michaels im Juni an.

Eine Konsequenz: Die L.A. Times soll weniger internationale Nachrichten oder Berichte aus Washington bringen, dafür mehr Lokales - Zells "Innovationsoffizier" Lee Abrams zeigte sich bei einem Redaktionstreffen überrascht, dass die Times überhaupt eine Reporterin im Irak hat. Zudem soll die Zeitung mehr Grafiken, Statistiken, Karten und andere bunte Elemente bekommen. Auch sollen Zells Blätter künftig ein Verhältnis von 50 zu 50 haben, was Text zu Anzeigen angeht. Das bedeutet, dass bei allen Zeitungen zusammen 500 Seiten pro Woche gestrichen werden sollen - allein 82 Seiten bei der Los Angeles Times. Ein Kriterium wird dabei sein, wie viele Spaltenzentimeter ein Reporter produziert. Finanzchef Michaels meinte, bei der L. A. Times schriebe ein Reporter 50 Seiten im Jahr, bei einem der kleineren Lokalblätter der Tribune Company, dem Hartford Courant, seien es aber 300 Seiten. "Zell versteht nicht, wie das Business funktioniert", sagte James O'Shea, der im letzten Jahr gefeuerte Times-Chefredakteur. "Das Problem ist der Einbruch bei den Anzeigen, die ins Internet abwandern. Das kann nicht gelöst werden, indem man die Qualität senkt."

Dabei schreibt die L. A. Times sogar noch schwarze Zahlen, aber die Tribune Company hat 13 Milliarden. Dollar Schulden - Zell hat hohe Kredite aufgenommen, um den Konzern von der Börse nehmen zu können. Übrigens halten sich in Los Angeles Gerüchte, der Musikmilliardär David Geffen wolle Zell die Times abkaufen. Er hatte bereits vor zwei Jahren versucht, die Zeitung zu erwerben, aber Zell überbot ihn.

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Das Verhältnis von Anzeigen zu Text soll zukünftig 50:50 sein.