Mittwoch, 07. Januar 2009, 23:18 Uhr
minus plus
15.05.2008

ProSiebenSat.1

TV fatal

Von Klaus Boldt und Michael Freitag

Unter freundlicher Mithilfe seines Managements lässt sich der Münchener Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 von Finanzinvestoren nach Strich und Faden ausnehmen. Dem Sender bekommt dieses Konzept denkbar schlecht.

Nachsichtig bis zur Schwäche gegen die rigorosen Launen seiner Gesellschafter hat Guillaume de Posch (50) die von ihm geleitete ProSiebenSat.1 Media AG Chart zeigen (P7S1) aus Unterföhring bei München in eine schlimme Lage gebracht. Die Ansprüche des Belgiers auf den Titel eines verkannten Genies dürfen damit als gründlich untersucht und endgültig abgewiesen gelten.

11 Photos Den Alltag vergessen: Quotenhits von ProSiebenSat.1

Klicken Sie auf ein Bild , um die Fotostrecke zu starten.

Die Sache ist schnell erzählt: Auf Geheiß oder einen Wink hin, zumindest aber ohne Einspruch seiner Machthaber, der international operierenden Firmenhändler KKR Chart zeigen und Permira, hatte Monsieur de Posch im vergangenen Sommer die SBS Broadcasting aufgebracht, eine über den ganzen europäischen Kontinent gut verteilte Gruppe jener seltsamen kleinen Sender, auf die man im Urlaub immer stößt, wenn man im Hotel an der Fernbedienung fummelt.

Guillaume de Posch war bereit gewesen, einen Preis zu bezahlen, der nach allgemeinem Dafürhalten mehr als großzügig, vielleicht aber sogar angemessen war, den sich P7S1 jedoch mit Sicherheit nicht leisten konnte: nämlich 3,3 Milliarden Euro, jeder einzelne davon bei den Banken gepumpt.

KKR und Permira erhoben keine Einwände. Im Gegenteil, sie klatschten aufgeregt in die Hände: Schließlich hatten sie den Münchenern SBS angedreht. Denn SBS kontrollierten sie auch. Eine schöne Bewandtnis hatte es also mit den damaligen Vorgängen.

Das neue manager magazin

Titel
"Ich habe Steuern hinterzogen"
Protokoll einer Selbstanzeige

Strategisch gesehen war die Übernahme gar nicht einmal ganz ohne Sinn, wenngleich bis dahin niemand den Eindruck gehabt hatte, dass den Münchenern SBS irgendwie gefehlt hätte. Aber die Vorstellung, sich über die Landesgrenze hinaus aufzublasen, ohne aufs Geld schauen zu müssen, entwickelte einen umso größeren Reiz, je länger man über sie nachdachte.

Inzwischen allerdings nehmen die Geschehnisse eine dramatische, ja gefährlich-abenteuerliche, wenn man es recht besieht sogar lehrreiche Wendung: Nachgerade beispielhaft kann man beobachten, welch unschöne Folgen es für ein Unternehmen hat, das sich in der Gewalt von Eigentümern befindet, die nichts unterlassen, was ihren Profit erhöhen, und alles verhindern, was ihn schmälern könnte, und deren Rechnung vom schnellen Geld dennoch nicht aufgeht.

Schon versuchen Banken, ihre ProSieben-Kredite loszuwerden, Aktionäre donnern "Plünderung!", Meinungen platzen aufeinander, Überzeugungen poltern los: Es geht um Wertevernichtung in großem Stil und darum, ob der neue europäisch-bajuwarische TV-Gigant womöglich doch nur ein sehr kleiner Riese ist.

Service
manager-magazin-Abonnement Abo-Service manager magazin mobil mm mobil Währungsrechner Währungsrechner
Angebote von A bis Z Angebote von A-Z SPIEGEL-Gruppe - Nachdruckrechte und Lizenzen Nachdrucke Werbung buchen Werbung buchen
Ihr persönliches Depot Depot Newsletter-Abo: managerupdate Newsletter-Abo Info: Wir über uns Wir über uns
E-Mail E-Mail RSS RSS-Newsfeed manager-magazin.de als Startseite einrichten mm.de als Startseite
Kurse Kurse Shop Shop  
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIOContor-Regio: Analysieren Sie online Ihren Standort
Über 1000 Headhunter-Firmen: Kostenlos Profil hinterlegen 2539 Headhunter-Firmen: Jetzt Profil anlegen
Gehalts-Check: Verdienen Sie genug?Gehalts-Check: Verdienen Sie genug?
Seminarmarkt: Tanken Sie KarrierewissenSeminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen
Handytarife: Finden Sie den passenden TarifHandytarife: Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre KlinikMedführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre Klinik