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07. Januar 2009
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Das französische Beispiel

Bei Le Monde spitzt sich die Lage dramatisch zu

VON RUDOLF WALTHER

Bei Le Monde geht es ums Ganze. In der Freitagausgabe der renommierten französischen Tageszeitung wird die Situation auf zwei Seiten gleichsam als Duell abgebildet: zwischen der Geschäftsleitung, die 129 Stellen streichen will, und den Gewerkschaften.

Die Geschäftsleitung operiert mit Zahlen und Grafiken im Weltmaßstab. Ihre Darstellung handelt vom Niedergang der nationalen Tageszeitungen weltweit. Die Auflagen von Le Figaro, Le Monde und Libération werden mit denen von USA Today, New York Times und Washington Post verglichen, und sie gehen (außer bei USA Today) alle zurück, bei Le Monde noch am wenigsten. Aussagekräftiger ist der Rückgang des Anzeigenaufkommens in Frankreich von 672 Millionen Euro (2000) auf weniger als die Hälfte - 331 Millionen (2007). Die Tageszeitungen verfügen über 13 Prozent des Anzeigenaufkommens.
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Über die Vergangenheit, die gigantischen Fehlspekulationen mit Internetauftritten und Engagements beim Privatfernsehen, verliert die Geschäftsleitung kaum ein Wort. Sie verspricht Besserung der Lage nur durch Kosteneinsparungen, zu denen weltweit alle Zeitungen gezwungen seien. Zudem setzt sie auf die "Schaffung neuer Produkte", (den Verkauf von CDs, DVDs, Büchern, Reisen).

Der Ruf nach "dem Mehrwert" von Zeitungsinformationen, den Bankier Jean-Clément Texier beschwört, ist der nach Boulevardisierung: weniger und kürzere Texte, mehr Bilder und Grafiken, "People- und Event-Orientierung. Zugleich will er den Verkaufspreis anheben, aber den Umfang um täglich drei Seiten kürzen.

Die Analyse der Gewerkschaften fällt anders aus. Sie verweisen darauf, dass sie ihren Beitrag zur Lösung der Krise bereits geleistet haben: Zwischen 2003 und 2007 wurde die Zahl der Mitarbeiter in der Le-Monde-Gruppe um 150 Stellen reduziert (20 Prozent). Der Anzeigenrückgang betrug im gleichen Zeitraum nur elf Prozent (6,8 Millionen Euro). Die Auflage sank um acht Prozent auf 316 551 Exemplare. Die Finanzierungskosten dagegen stiegen enorm wegen der Expansionsstrategie des ehemaligen Herausgebers Jean-Marie Colombani und des Aufsichtsratsvorsitzenden und Sarkozy-Freundes Alain Minc - und führten zu Verlusten der Gruppe von 180 Millionen in sieben Jahren.

Es gibt auch einen deutschen Beitrag zur Schieflage von Le Monde. 2005 zog die Redaktion um, das verdoppelte die Mietkosten innerhalb von vier Jahren. Die Deutsche Bank, der das neue Gebäude gehört, ließ sich das Risiko durch einen bis 2016 laufenden Mietvertrag mit dem finanziell angeschlagenen Kunden absichern.

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Dokument erstellt am 12.05.2008 um 16:48:01 Uhr
Letzte Änderung am 13.05.2008 um 10:46:31 Uhr
Erscheinungsdatum 13.05.2008
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