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10.05.2008    14:42 Uhr Drucken  |  Versenden  |  Kontakt
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Woodward

Freundschaft ist, wenn man trotzdem schreibt

Carl Bernstein und Bob Woodward stürzten einen Präsidenten und wurden in jungen Jahren zu Reporter-Legenden. Ein Buch beschreibt jetzt, wie sie "im Schatten von Watergate" weiterlebten.

Watergate-Skandal Star-Reporter Woodward und Bernstein AP
vergrößern Star-Reporter Woodward (r.) und Bernstein (l.)
Foto: AP
 

Am 7. Mai 1973 stieg Benjamin Bradlee, der damals Chefredakteur der Washington Post war, auf einen Schreibtisch in der Redaktion und bat um Ruhe. Die Zeitung, teilte er mit, sei mit dem Pulitzerpreis für Außerordentliche Verdienste in der Kategorie Dienst an der Öffentlichkeit ausgezeichnet worden.

Jubel kam auf. Das Blatt hatte beim Pulitzerpreis-Direktorium ein Gesamtpaket aus Affärengeschichten, Leitartikeln und Karikaturen über den Watergate-Fall eingereicht. Also einen großen Teil der fulminanten Berichterstattung über einen dreckigen Anschlag auf die Demokratie.

Nach einem Einbruch im Juni 1972 ins demokratische Hauptquartier in Washingtons Watergate-Komplex hatte das Blatt in monatelangen Recherchen eine Verschwörung aufgedeckt, die direkt ins Weiße Haus führte, zum "Komitee für die Wiederwahl des Präsidenten" Richard Nixon. Der Fall löste in der Hauptstadt eine Art Stromstoß politischer und öffentlicher Leidenschaft aus; die Realität übertraf jeden Roman.


Kurz nach Bradlees Verkündigung stürmten die Lokalreporter Bob Woodward und Carl Bernstein, die bei der Enthüllung der Watergate-Affäre eine zentrale Rolle gespielt hatten, in sein Büro. Sie hatten gehofft, dass nur sie den Lorbeer für ihre investigative Arbeit bekommen würden und waren nun enttäuscht.

Bradlee, der so aussah und reden konnte wie sonst nur Chefredakteure in Kinofilmen aussehen und reden, wies die beiden Enthüller zurecht. Das Blatt habe eine Menge riskiert und sich weit aus dem Fenster gelehnt. "Niemand wird je vergessen, wer diese Storys geschrieben hat", sagte der Chefredakteur aber auch.

Bradlee hat Recht behalten. Nixon trat im August 1974 zurück. Seine Verfolger wurden zu Ikonen des Journalismus und zu Vorbildern für Generationen von Medienleuten. Ihre beiden Bücher über den Fall Nixon wurden Bestseller. Junge Leute stürmten die Journalistenschulen, die Alten zeigten für eine kleine Weile weniger Respekt vor dem Establishment.

Bereits ein Jahr nach Nixons Rücktritt wurde in den USA ein Verein für Investigative Reporters and Editors (IRE) gegründet, dem heute rund 5000 Journalisten angehören, weltweit der größte Recherche-Club. Die Verfilmung des Watergate-Falles mit Robert Redford und Dustin Hoffman (Die Unbestechlichen) im Jahr 1976 machte Woodward, Jahrgang 1943, und Bernstein, Jahrgang 1944, endgültig zu Stars.

Leben als Legende


Woodward und Bernstein waren noch sehr jung, als sie schon ganz oben waren und das Land von einer skrupellosen Führung befreiten. Wie lebt es sich danach als Legende?

Die amerikanische Journalistin Alicia C. Shepard, die Journalismus an der American University in Washington lehrt, hat ein 352 Seiten dickes Buch über das Leben der beiden Reporter "im Schatten von Watergate" geschrieben. Die Professorin hat jahrelang recherchiert, 175 Interviews geführt und Berge von Dokumenten gesichtet.

Darunter Original-Recherchematerialien, wie die vor fünf Jahren von der Universität Texas für fünf Millionen Dollar gekauften Dokumente von Woodward und Bernstein. 75 Kisten, gefüllt mit 250 vollgekritzelten Notizblöcken, getippten Notizen, Zeugenaussagen, Fotografien, Briefen, Buchfahnen und Artikelentwürfen.

Wer unter die Journalisten will, sollte das Werk lesen, bevor ihm in den meisten Redaktionen die Illusionen und Widerborstigkeiten ausgetrieben werden, und Zeitgeschichte sind die Geschichten allemal. Herausgekommen ist die Dokumentation eines Skandals, die Beschreibung einer oszillierenden Berufskultur und eine rührende Beziehungsgeschichte zweier sehr unterschiedlicher Männer:


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