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20. November 2008
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Von Kanal ins Netz und zurück

Wie das ZDF im Internet einfach mal die private Konkurrenz auszuspielen versucht
VON DANIEL BOUHS

ARD und ZDF betonen derzeit immer wieder, sie würden sich im Internet doch nur am publizistischen Wettbewerb beteiligen und die kommerzielle Aktivität der Privatsender nicht gefährden. Deshalb sei ihre Präsenz im Internet nicht zu beschneiden, wie das jetzt im Entwurf zum 12. Rundfunkstaatsvertrag vorgesehen ist. Aber dann entdeckt man neuerdings auf der Seite des ZDF einen "Game Check", ein Testbericht von Computerspielen also.

Dabei versucht ProSieben seit wenigen Wochen auf seiner Internetseite das Format "Sevengames TV" zu etablieren. Auch bei diesem Video-Format führt ein Moderator durch die Tests. ProSieben wirbt dafür heftigst im eigenen Programm. Und weil Werbung im Netz noch immer nicht viel bringt, darf man annehmen, dass die private Sendergruppe mit ihrer Internetsendung noch kein Geld verdient, sondern das ganze als langfristige Investition sieht, um sich letztlich von der Abhängigkeit des klassischen Fernsehens zu lösen. Der Weg dahin dürfte angesichts solcher öffentlich-rechtlicher Störfeuer aber schwieriger werden.
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Auch auf dem ZDF-Infosender


Dieses Beispiel offenbart, wie trickreich die öffentlich-rechtlichen Sender inzwischen vorgehen können: Der "Game Check" des ZDF, der mindestens zwei Tage prominent auf der Startseite beworben wurde, ist keine exklusive Online-Produktion. Das Format wurde nämlich auch auf dem ZDF-Infokanal ausgestrahlt.

Dort schaut zwar kaum einer zu. Der Vorteil aber ist: Weil das Format einmal über irgendeinen Sender lief, dürfte es sogar auch dann noch online gestellt werden, wenn sich Konservative unter den Medienpolitikern mit ihrem Ziel durchsetzen sollten, im neuen Rundfunkstaatsvertrag die Internet-Aktivitäten von ARD und ZDF von der als Freifahrtschein geltenden Definition "programmbegleitend" auf "sendungsbegleitend" zu reduzieren. Das hätte dann ob dieser Praxis keine Folgen.

Wozu die vermehrten neuen Formate auf den sechs Digitalkanälen von ARD und ZDF führen, lässt sich auch auf Tagesschau.de bewundern. Während dort bisher in den Wochen, in denen das ZDF auch im Ersten sein "Morgenmagazin" und seine Nachrichten ausstrahlte, keine neuen Video-Beiträge eingespeist werden konnten, weil sie von der "Tagesschau"-Redaktion einfach nicht produziert wurden, können sie inzwischen einfach Beiträge des Digitalkanals EinsExtra übernehmen. Dort strahlt die "Tagesschau"-Redaktion seit Jahresbeginn tagsüber ein Programm aus, das mit dem Slogan "Nachrichten im Viertelstundentakt" beworben wird. Und praktisch ist das eben auch für die Kollegen im Netz.

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Dokument erstellt am 09.05.2008 um 16:40:02 Uhr
Erscheinungsdatum 10.05.2008
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