Birma ist nicht nur eine humanitäre Katastrophe, sondern auch eine kommunikative. Es gibt kaum Fernsehbilder, die so funktionieren, wie Bilder funktionieren müssen, wenn Hilfe mobilisiert werden soll. Reporter, so sie ins Land kommen, können keine Geschichten erzählen von Individuen, mit denen man sich identifizieren kann. Keine Überlebensdramen, keine Stories mit glücklichem oder tragischem Ausgang. Nichts, was Zuschauern Erleichterung verschaffen könnte.
Auf allen Kanälen laufen die gleichen Bilder, auch BBC World, CNN oder TV5 sind nicht besser dran. Man sieht nur, was es nach Wirbelstürmen immer zu sehen gibt: umgestürzte Bäume, abgedeckte Häuser, Menschen, die um Wasser anstehen.
In den hiesigen TV-News ist in den ersten Tagen die Steinzeit ausgebrochen: Telefonate mit Helfern oder Korrespondenten im Land, dazu Standfotos, bestenfalls, wie im ZDF, zeigt Antonia Rados Bilder per Handkamera. Die ARD-Tagesthemen rücken das Thema dann lieber nach hinten.
Der Tsunami von 2004 war filmisch dokumentiert über Touristenkameras, Handyvideos und professionelle Beobachter. So wurde die Katastrophe überschaubar, nicht nur für Voyeure. In Birma, außerhalb des globalen Bilder- und Newskreislaufs bleibt nur der Google-Earth-Blick, dutzende Male wiederholt. Die Küstenlinie im Irrawady-Delta scharf vor dem Zyklon und danach "ausgefranst", wie Meteorologen mehrfach sagen. Ein niedliches Wörtchen angesichts der realen Katastrophe. Aber aus großer Entfernung sieht man eben nur unscharf.

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