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Wichtig ist, dass die gebührenfinanzierten Medien nicht die anderen verdrängen.
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Alan Rusbridger
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sueddeutsche.de: Der Guardian ist mit der Einführung des so genannten "Berliner Formats" vor fast drei Jahren selber von einem "Broadsheet" zu einem "Tabloid" geworden. Was hat Ihnen die Umstellung gebracht? Rusbridger: Wir haben bewiesen, dass wir imstande sind, mit unserer Berichterstattung weiterhin der Komplexität des Lebens gerecht zu werden. Nur weil wir jetzt ein kleineres Format haben, befinden wir uns noch lange nicht in einer Vereinfachungs-Falle. Im Gegenteil: Unsere Möglichkeiten haben sich verbessert: Ich finde das Berliner Format wunderbar, weil es uns erlaubt, großformatige Fotos und große Mengen Text miteinander zu kombinieren. Außerdem nutzen wir durchgehend den Vollfarbdruck. Alle Konkurrenten müssen jetzt nachziehen. Aber die Auflage hat sich leider nicht wesentlich verbessert. Der Independent, der zuerst ein kleineres Format einführte, büßte seit der Umstellung jedes Jahr über 12 Prozent seiner Auflage ein. Unsere verkaufte Auflage war ebenfalls rückläufig, im vergangenen Jahr um circa drei Prozent. Ich habe also gelernt: Ein Formatwechsel ist noch keine Wunderwaffe. sueddeutsche.de: Wo liegt die größte Verantwortung für die Qualität von Journalismus: in der Redaktion oder im Management einer Zeitung? Rusbridger: Letztendlich immer in der Redaktion. sueddeutsche.de: Könnten Sie sich vorstellen, dass die Presse irgendwann durch echte Subventionen am Leben gehalten wird, also: Steuergelder, öffentlich-rechtliche Gebühren oder Geld reicher Stiftungen? Rusbridger: Der Guardian wird seit 1932 von einer Stiftung geführt: Dem Scott Trust. Darüber bin ich heilfroh, weil die Guardian Media Group am Ende des Tages nicht gewinnorientiert arbeiten muss, sondern gerade deswegen Überschüsse in journalistische Qualität reinvestieren kann. Staatsgelder für die freie Presse zu verwenden, ist ein Widerspruch in sich. Anders könnte das mit öffentlich-rechtlichen Gebühren aussehen, mit denen wir die BBC und Sie ARD und ZDF finanzieren. Da diese Sender immer mehr Online-Inhalte produzieren, kommen sie uns Zeitungen ohnehin mit dem, was sie tun, sehr nahe. Der britische Sender Channel4, der keine Gebührengelder erhält, aber sehr ähnlichen Standards wie die BBC entsprechen muss, hat vorgeschlagen, einen Teil der BBC-Gebühren für einen öffentlichen Fond einzusetzen, mit dem hochwertige journalistische Inhalte finanziert werden könnten. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass es irgendwann einen Topf gibt, an dem alle partizipieren, die Qualität wollen. Schließlich haben alle, die Qualitätsmedien schaffen, einen öffentlichen Auftrag! sueddeutsche.de: Heißt das vielleicht, dass am Ende das öffentlich-rechtliche Modell das einzige ist, das Qualität liefern kann? Rusbridger: Das wissen wir heute noch nicht. Wichtig ist jedenfalls, dass die gebührenfinanzierten Medien nicht die anderen verdrängen. Wir beobachten zum Beispiel gerade im Lokalen, dass die BBC ihre Berichterstattung stark ausbreitet und damit die Lokalzeitungen bedroht. Wenn das so weiter geht, vernichtet die BBC die Chance der Regionalzeitungen, sich zu wandeln und letztendlich zu überleben. Es wäre aber gut, wenn die Regionalzeitungen ohne Subventionen auf einer wirtschaftlichen Basis überleben. Es darf nämlich am Ende nicht nur einen Nachrichtenanbieter geben. Ein Nachrichtenmonopol, selbst eines der BBC, ist immer eine sehr gefährliche Sache. Die BBC ist eine wunderbare Einrichtung. Aber sie ist längst nicht unfehlbar, und wir dürfen sie auch nicht überschätzen. Lesen Sie auf der nächsten Seite, ob es sinnvoll sein kann, Qualitätsjournalismus staatlich zu fördern.
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