34 34 Kommentare | Interview | Kultur | 30.01.2008 19:00  
"Das muss es auch geben." Warum Christoph Bauer bei RTL2 peinliche Fragen stellt
Text: max-scharnigg  Fotos: RTL 2 / Bernd Eberle
In den 90er-Jahren war Christoph Bauer ein Held. Er gehörte zum Moderatorenteam der Jugendsendung „Live aus dem Schlachthof“, die sich mit spannenden Gesprächsrunden zu brisanten Themen einen Namen machte. Bands wie die Smashing Pumpkins oder Suede traten dort auf, als Moderatoren machten auch Günther Jauch oder Sandra Maischberger dort ihre ersten Schritte. Besonders interessant für jetzt.de-Leser: Christoph Bauer moderierte auch die Protestkundgebung gegen die Einstellung des jetzt-Magazins im Sommer 2002.
Seit dieser Woche aber stellt der 37-Jährige den Kandidaten der RTL2-Show „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ peinliche Fragen – und überführt sie mit einem Lügendetektor. Wie konnte das passieren? Jetzt.de hat nachgefragt – ohne Detektor.
Herr Bauer, am Montag lief die erste „Die Wahrheit…“-Show. Welches Feedback kriegt man eigentlich als Moderator?
Die Quoten waren sehr gut, die Leute hat das wirklich interessiert und der Sender war zufrieden. Aus meinem Umfeld, also von Freunden und Kollegen, habe ich natürlich auch Feedback bekommen, das sich nicht unbedingt mit dieser Begeisterung deckt, aber das kann ich ganz gut auseinander halten. Und dass wir mit so einem Format bei den Feuilletons nicht richtig gut ankommen, war ja zu erwarten.

Sie waren Moderator bei der Jugendkultsendung „Live aus dem Schlachthof“, seit Jahren moderieren Sie beim BR eine Kino-Sendung. Wie kommt man von dort zu einem Engagement bei RTL2?
Ich bin in einer Moderatorenagentur, die haben mich zu einem Moderatorencasting angemeldet, das ist so üblich bei neuen Shows. Da bin ich hin und habe vorgesprochen und zwei Tage danach kam schon der Anruf von RTL 2 – etwas überraschend.




Christoph Bauer normal,...

Was ging Ihnen durch den Kopf, bevor Sie zusagten?
Ich habe eine Zeit lang überlegt, ob ich das machen möchte und mich dann mit den Produzenten und Senderleuten getroffen, um zu erfahren, wie das werden soll. Ich hatte auch einfach Lust, mal in den Sektor Unterhaltung reinzuschnuppern - so ein Angebot kommt nicht jeden Tag und ein bisschen Karriereplanung ist da auch mit im Spiel. Ich hatte davor schon einige Sachen auf dem Schreibtisch gehabt, die ich ablehnte, weil ich mir sicher waren, dass sie nicht funktionieren. Ich mache immer noch „KinoKino“, habe nebenbei eine Produktionsfirma, in der wir auch Arthaus-Filme machen. Dazu jetzt eben eine Unterhaltungsshow bei RTL2 – warum nicht?

Was hat Sie denn ausgerechnet an „ Die Wahrheit…“ überzeugt?
Das ist ja ein eingekauftes Format aus den USA, ich fand daran spannend, dass es so schnell funktioniert und die Kandidaten nur „Ja“ oder „Nein“ sagen müssen, um Spannung zu erzeugen und dass sie sich zu heiklen Themen bekennen müssen. Natürlich bewegt man sich mit manchen Sachen auch auf einem schmalen Grat.

Einige Fragen sind arg grenzwertig. „Haben Sie schon mal ein großes Geschäft in die Badewanne gemacht?“ oder „Würden Sie ihr Kind abtreiben, wenn es behindert wäre?“
Es gab bei der Vorbereitung auch Fragen, die ich abgelehnt habe und es gibt auch welche, die mir nicht leicht über die Lippen kommen. Aber das ist nur eine Show, die Leute können jederzeit aussteigen, wenn sie ihre Wahrheiten doch nicht einer großen Öffentlichkeit preisgeben wollen. Außerdem wurden sie ja vorher schon über die Fragen informiert. Ich denke, die haben längst mit ihren Familien abgesprochen, was da gesagt wird. Es ist eher so, dass ich die Kandidaten manchmal abbremsen und fragen muss: Wollen sie hier wirklich weitermachen?

Nach welchem Moderatorenprofil hat RTL2 denn gesucht?
Es sollte wohl schon etwas seriöser sein und dem Zuschauer vor allem das Gefühl vermittelt werden, dass da einer gekonnt Fragen stellt und auch mal nachhakt, warum es zu dieser oder jener Begebenheit kam. Viele Fragen sind ja sehr unterhaltsam und lustig, da kann ich als Moderator dann natürlich was rauskitzeln.




...und mit RTL2.

Vom öffentlich-rechtlichen Kulturfernsehen zum brachialen Privatsenderformat – klingt nach drastischen Unterschieden. Welche fallen ihnen denn bei ihrer Arbeit auf?
Der Bayerische Rundfunk ist ein großer behäbiger Tanker, im Vergleich dazu ist RTL2 ein wendiges Speedboat. Es geht da sehr schnell und spaßorientiert zu und man bewegt sich vorwiegend an der Oberfläche.

Das stört Sie nicht?
Nein, das muss es eben auch geben.

Der "Spiegel" spricht von einer „neuen Dimension des Intimitätsterrors“, wie stehen Sie dazu?
Erstmal habe ich mir die Show ja nicht ausgedacht. Ich finde aber auch nicht, dass es ein Intimitätsterror ist. Es sind schon intime Fragen, die da zur Sprache kommen, aber Terror ist es nicht, die Menschen wissen, wie gesagt, was auf sie zukommt. Als Zuschauer ist man es heute doch gewohnt, dass sehr private Dinge im Fernsehen ausgebreitet werden - die ganzen Talkshows machen seit Jahren nichts anderes. Und die Produzenten von „Die Wahrheit…“ sind die gleichen, die zum Beispiel auch die „Supernanny“ machen - die sind sich ihrer moralischen Verantwortung schon sehr bewusst.

Würden sie ihre zwei Töchter die Sendung denn ansehen lassen?
Nein, keinesfalls! Die sind viel zu klein dazu, wir fangen gerade mit dem „Sandmännchen“ an. Und später, na, ich würde mir natürlich wünschen, dass sie dann nur Kika und Arte gucken.



Nächste Folge von "Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" am 4. Februar, 22.15, RTL 2


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eisengrau 30.01.2008 | 19:23
Klar möchte niemand bis an sein Lebensende KinoKino machen, und schon gar nicht beim BR arbeiten, aber diese Entscheidung kann ich schwer nachvollziehen.
Denkt Herr Bauer, er habe sich damit einen Gefallen getan? Die Sendung wird in einem Vierteljahr abgesetzt oder ins Vormittagsprogramm verbannt, und dann wird man sich nur noch an den Löcher-in-den-Bauch-Frager von RTL2 erinnern und nicht mehr an den engagierten Jugendmoderator.

riesenherz 30.01.2008 | 19:25
Wie wäre es analog zur Intimrasur mit einer Intimitäts-Rasur, das Format kippen.
Damit alle mal zum Nachdenken kommen.

shoota 30.01.2008 | 19:30
erster? juhuu ... zum thema, kenne ich nicht, hab kein fernseher, uninteressant ... karriere, karriere, karriere ...

shoota 30.01.2008 | 19:30
oh nein, scheiße, hab ich solange gelesen ... dritter ... verdammt!

HelterSkelter 30.01.2008 | 20:08
intimitätsterror!!

bestgucci 30.01.2008 | 20:19
gut das ich kein Fernseher habe

Guenther_Hetzer 30.01.2008 | 20:26
geil wie die leute in sekunden seziert und partnerschaften und familien zerstört werden.

seeeek and destroooooooooooy.

groover_washington 30.01.2008 | 20:33
man stelle sich fort (boyard) er wäre erst rtl2 moderator gewesen und dann beim br.

jürgen milski würde "live aus dem schlachthof" moderieren und dann immer mit geldscheinen wedeln. "ja liebe zuschauer wenn sie jetzt anrufen können sie bis zu 15.000 euro gewinnen. soll der jung ubahnschhläger jetzt raus oder darf er in deutschland bleiben?

fee_absinthe 30.01.2008 | 20:53
traurig traurig. aber solange es publikum für diese art von "unterhaltung" geben wird... ich wäre auf jeden fall nicht stolz darauf, diese sendung zu moderieren.

majia 30.01.2008 | 21:15
ha, der hat heut beim starbucks an kaffee trunga!


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